»Helden über Grenzen? Transnationale(s) Mythen und Heldentum von der Antike bis zur Moderne«

Interdisziplinäre Nachwuchstagung der Doktorandinnen und Doktoranden des Historischen Instituts der Universität Mannheim vom 27. bis 29. September 2013

Ob Herakles, König Artus, Jeanne d‘Arc, Martin Luther King oder Che Guevara. Von der Antike an üben Heldengestalten eine Faszination auf die Menschheit aus. Ob Volkshelden, Nationalhelden, literarische Helden oder moderne Superhelden, seit jeher dienen Heroen als Vorbilder und Projektionsflächen für Gesellschaften. Sie werden kultisch verehrt, zu Propa­gandazwecken eingesetzt oder als „Antihelden“ gemieden. Durch kulturelle Prozesse der Aushandlung von Tugenden und Werten konstruieren Gemeinschaften „ihre“ Heldenbilder. Sie schaffen damit Sinn und Identifikationsmöglichkeiten sowie Legitimationsgrundlagen für Gesellschaften, soziale Ordnungen und Machtansprüche. Der Held sticht mit besonderen Fä­higkeiten hervor, als Träger von Kultur oder als Erlösergestalt. Im Mythos überdauert er Zeit und Raum.

Die interdisziplinäre Nachwuchstagung »Helden über Grenzen? Transnationale(s) Mythen und Heldentum von der Antike bis zur Moderne« die von Freitag 27. bis Sonntag 29. September 2013 ausgerichtet wird, möchte das gesamte Spektrum kultureller Aneignung, Tradierung und Deutung von Heldentum und Heldenbildern in Gesellschaften untersuchen. Dabei wird das traditionelle Verständnis erweitert und Helden mit einem Fokus auf die Überwindung von Grenzen (geografische, territoriale, nationale, kulturelle, sprachliche, ge­schlechterspezifische und kommunikative) betrachtet. Entstehung, Bedeutung und Wandlung heroischer Mythen bilden den kontextuellen Rahmen, innerhalb dessen, durch unterschiedli­che wissenschaftliche Zugänge, die Konstruktion, Rezeption und Instrumentalisierung von Heldenbildern analysiert wird – ebenso soll den allgemeinen Formen des kulturellen Austau­sches, der Distribution, Diffusion und des Transfers von Helden und Mythen als Träger von Weltbildern, kulturellen Werten, Wissen und Praktiken nachgegangen werden.

Promovierende unterschiedlichster geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, stellen auf dieser, von den Doktorandinnen und Doktoranden des Historischen Instituts der Universität Manheim initiierten Nachwuchstagung, ihre Forschungsprojekte vor. Das Rahmenprogramm wartet darüber hinaus mit einer Podiumsdiskussion bekannter Mannheimer Professoren (PD Dr. Angela Borgstedt, Prof. Dr. Jochen Hörisch, Prof. Dr. Christian Mann, Prof. Dr. Erich Pelzer) und einem Gastvortrag von Prof. Dr. Gerd Krumeich auf.

CFP Herausforderung Helden: helden. heroes. héros.

„Helden und Heldinnen prägen das Orientierungswissen nicht nur europäischer Kulturen seit dem Altertum. Ob antike Heroen wie Odysseus und Achill, biblische Helden wie David und Judith, mittelalterliche Volkshelden wie Robin Hood und Jeanne d’Arc, nationale Revolutionshelden wie Danton und Marat, literarische Helden und Anti-Helden wie Don Quijote und Faust oder zeitgenössische Superhelden wie Lara Croft und Batman, immer schon dienen Helden und Heldinnen als Projektionsflächen und Identifikationsfiguren für Individuen, soziale Gruppen oder gar ganze Gesellschaften. Obwohl aktuell häufig die Diagnose eines „postheroischen Zeitalters“ gestellt wird, lässt sich eine neue Konjunktur und Diskussion des Heroischen beobachten, in der fortlebende Traditionen und heterogene Vorstellungen neben Skepsis und Tabuisierung stehen. Nachdem sich die Forschung lange Zeit auf die Rezeptionsgeschichten einzelner Heldenfiguren konzentriert hat, zeichnet sich in jüngster Vergangenheit ein verstärktes Bemühen darum ab, heroische Figuren im Kontext ihrer jeweiligen kulturellen, politischen und sozialen Weiterlesen